Text KK 2020 in Berlin

Foto@Simone Pareigis: Prof. Dr. D. Vordermark, Priv.-Doz. Dr. D. Medenwald, Dr. H. Schmidt, S. Weise

Deutscher Krebskongress 2020 in Berlin

Geriatrische Onkologie in Sachsen-Anhalt

Halle (Saale), Berlin:
Ein Expertenteam der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft (SAKG) und der Universitätsmedizin Halle konnte beim Deutschen Krebskongress in Berlin am 19. Februar 2020 in einer separaten Sitzung die Besonderheiten der Versorgung älterer Krebspatienten in Sachsen-Anhalt präsentieren.
Unter dem Titel „Optimale Beratung und Versorgung älterer Krebspatienten: Impulse aus Sachsen-Anhalt“ wurden unter der Moderation von Prof. Dr. Dirk Vordermark, stellvertretender Vorsitzender des SAKG und Direktor der Universitätsklinik für Strahlentherapie, die fortgeschrittene Überalterung der Bevölkerung mit entsprechend hohen Anteilen älterer Tumorpatienten, aber auch innovative Versorgungskonzepte aus der Universitätsmedizin Halle diskutiert.

Priv.-Doz. Dr. Daniel Medenwald, Facharzt für Strahlentherapie und Leiter der Arbeitsgruppe „Onkologische Versorgungsforschung“ am Universitätsklinikum Halle, führte in die demographische Entwicklung in Sachsen-Anhalt ein.
Zwar ist Sachsen-Anhalt allein aufgrund des Altersstruktur durch eine im Bundesvergleich überdurchschnittliche Krebsmortalität auffällig, diese ist aber auch nach Adjustierung für die Altersstruktur immer noch erhöht, was mit der ebenfalls hohen Belastung der Tumorpatienten durch Begleiterkrankungen zusammenhängen könnte.

Der Geschäftsführer der SAKG, Sven Weise, berichtete aus der Praxis der psychosozialen Beratung, wie schwierig die Angebote der Krebsgesellschaft oder auch onkologischer Versorger für ältere Tumorpatienten erreichbar sind. Selbst die von der SAKG in ganz Sachsen-Anhalt vorgehaltenen Außenberatungsstellen sind bei oft schlechter Verkehrsanbindung von Wohnorten im ländlichen Raum und fehlender Fahrtkostenübernahme für diese Personengruppe schwer zugänglich.

Frau Dr. Heike Schmidt, Ärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe „Lebensqualität“ an der Universitätsmedizin Halle, berichtete aus den Ergebnissen einer Studie zu einem neuartigen Versorgungskonzept. Dabei wurden 100 ältere Tumorpatienten des Universitätsklinikums Halle vor Therapiebeginn einer umfangreichen Testung (sog. geriatrisches Assessment) unterzogen, um ihre Ressourcen und Einschränkungen in die Behandlungskonzepte einzubeziehen. Nach Therapieende erhielten die Patienten eine zusätzliche telefonische Beratung durch eine onkologische Fachpflegekraft. Weiterentwicklungen dieser Maßnahmen werden nun in Folgestudien untersucht und in die Versorgungsangebote der Universitätsmedizin Halle überführt.
Die Präsentationen aus Sachsen-Anhalt wurden beim Deutschen Krebskongress intensiv diskutiert. Die Mitglieder anderer Landeskrebsgesellschaften sahen hier zukünftige Probleme, aber auch Lösungsansätze mit Relevanz für ihre eigenen Bundesländer.
[Prof. Dr. Dirk Vordermark, stellvertretender Vorsitzender des SAKG und Direktor der Universitätsklinik für Strahlentherapie]